08.03.2006 Europäische Suchmaschine
In Europa herrscht allgemeiner Nachholbedarf beim Thema Internet.
Nun streben Deutschland und Frankreich gemeinsam die Entwicklung einer europäischen Suchmaschine an, die eine Alternative zu Google werden soll.
Das Projekt geht unter dem Namen „Quaero" ins Rennen, ein treffender Name für eine solche Dienstleistung, bedeutet er doch wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt „ich suche".
Geplant sind eine Reihe interessanter Features, die dem User die Benutzung so bequem wie möglich machen sollen, etwa eine automatisierte Video-Indizierung, Bilderkennung, die Umwandlung von Sprache zu Text sowie eine Bearbeitungsfunktion natürlich formulierter Fragen.
Die Idee zu diesem Projekt ist schon länger im Gespräch, jedoch weist die Ausarbeitung bisher große Lücken auf. Frankreich bemüht sich sehr engagiert um ein Vorankommen, jedoch geriet das deutsche Engagement durch die letzten Bundestagswahlen ins Hintertreffen. Es fällt auf, dass Frankreich anscheinend eine höhere Gewichtung auf das Thema legt, da Präsident Chirac es sogar in seiner Neujahrsansprache erwähnte, dieser Wink aber von der Bundesregierung nicht aufgegriffen wurde.
Aus Berlin heißt es dazu, dass zwar mit verschiedenen Firmen Gespräche geführt wurden, es aber noch keinen stabilen Finanzierungsplan gibt.
Als Modell für die Entwicklung von Quaero dient die deutsch-französische Zusammenarbeit in der Luftfahrt. So arbeiten z.B. für Airbus verschiedene Firmen an verschiedenen Einzelbausteinen, die zum Schluss zu einem Ganzen zusammengefügt werden.
Momentan fehlen aber neben dem Engagement der Bundesregierung auch noch die Firmen und Investoren, die sich an dem Projekt beteiligen sollen. Allem Anschein nach ist die Stimmung in der deutschen Wirtschaft sogar eher ablehnend, so veröffentlichte z.B. der Bertelsmann-Konzern eine Mitteilung, in der ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass das Tochterunternehmen Empolis sich nicht als leitendes Unternehmen an der Entwicklung beteiligen wird.
Ein weiterer Knackpunkt ist die Nutzung der Suchmaschine. Bisher ist nicht gewiss, wem Quaero gehört und wer Zugriff bekommen soll. Eine Nutzung durch die beteiligten Firmen und Behörden ist angedacht, ob aber auch die breite Öffentlichkeit Zugang erhält ist bisher nicht geklärt, momentan ist aber ein Nutzungsrecht gegen Gebühren im Gespräch.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Quaero eine ernsthafte Konkurrenz für den amerikanischen Vorreiter Google wird, ist aus dieser Betrachtungswarte heraus relativ unwahrscheinlich.
Und es wird noch unwahrscheinlicher, hört man sich Stimmen aus dem Umfeld der Projektentwicklung an. Hier heißt es: „Kein Mensch braucht ein zweites Google."

